Arndt-Philipp Ohms 05.02.2009
Ist es moralisch verwerflich,
nicht Vegetarisch zu leben?
basierend auf
„Der Wert des fötalen Lebens“
ein Ausschnitt aus
„Peter Singer: Schwangerschaftsabbruch und ethische Güterabwägung“

Peter Singer geht in seinem Werk „Schwangerschaftsabbruch und ethische Güterabwägung“ auf die moralische Problematik ein, die die Abtreibung eines menschlichen Fötus mit sich bringt.
Der darin vorkommende Abschnitt „Der Wert des fötalen Lebens“ befasst sich unter Anderem mit dem Gedanken, ob die Zugehörigkeit zur Spezies Homo Sapiens Einfluss auf den Wert des Lebens hat, welches ein menschlicher Fötus besitzt.
Singer kommt zu folgendem Schluss:
Die Zugehörigkeit von Spezies oder gar Rasse ist für den Wert des fötalen Lebens absolut unerheblich.
Da die Zugehörigkeit zur Menschlichen Spezies also unwichtig ist schließt Singer, dass ein Menschlicher Fötus nur nach seinen Eigenschaften, in erster Linie also nach seinem Bewusstsein und seiner Empfindungsfähigkeit, bewertet werden darf.
Weil ein Fötus in jedem Stadium zwischen der Befruchtung und der Geburt beispielsweise eine geringere Wahrnehmung oder ein geringeres Schmerzempfinden hat als ein Kalb oder ein Ferkel, ist der Fötus beidem unterzuordnen.
Folgerichtig ist es inkonsequent und logisch nicht nachvollziehbar, diese Tiere zu töten (aus welchen Gründen auch immer) und gleichzeitig zu behaupten, dass das Töten menschlicher Föten, die weniger Schmerzempfinden, weniger Lustempfinden und weniger Bewusstsein aufweisen als die oben angeführten Tiere, moralisch verwerflich ist.
Diesem Gedanken folgt auch Singer, der vorschlägt „dem Leben eines Fötus keinen größeren Wert zuzubilligen als dem Leben eines nichtmenschlichen Lebewesens auf einer ähnlichen Stufe (…) des Selbstbewusstseins, der Wahrnehmungsfähigkeit (…) etc.“.

Doch nun geht Singer in seiner Argumentation wie selbstverständlich darauf ein, dass das Abtreiben moralisch genauso korrekt ist, wie das Töten von Tieren auf einer ähnlichen Entwicklungsstufe.


Hier wird eine gewisse Problematik deutlich:
Wenn das Töten von Tieren auf demselben moralischen Level steht wie das Töten von menschlichen Föten, wieso ist es dann folglich moralisch korrekt, Föten zu Töten?

Es ist ebenso denkbar, dass es moralisch verwerflich ist, Tiere zu Töten, die auf demselben oder sogar einem höheren Entwicklungsstand stehen, wie ungeborene Menschen.
Das Entwicklungs-Argument
Als Gegenargument könnte man einwenden, dass Verzehr von Fleisch nicht verwerflich sein kann, da er einen hohen Beitrag zu der körperlichen Entwicklung leistet. Das ist nicht abzustreiten.
Beispielsweise findet sich in Schweinefleisch, dem meistgegessenen Fleisch in Deutschland, neben Niacin (Vitamin aus dem Vitamin-B-Komplex), den Vitaminen B1, B2 und B12 sowie Eisen, welches für die Bildung von roten Blutkörperchen von großer Bedeutung ist, vor allem Eiweiß (Anteil im Schweinefleisch ca. 20%), das einen wichtigen Anteil am Aufbau der Muskulatur hat.

Aber Eisen kommt auch in Vollkornprodukten, grünem Blattgemüse sowie in Hülsenfrüchten vor. Zwar ist dieses Eisen im Gegensatz zu Eisen animalischer Herkunft Ionisiert und daher für den Körper schlechter verwertbar, jedoch wird dieser Effekt aufgehoben, wenn zu der Eisenhaltigen Nahrung auch Vitamin C-haltige Nahrung (Paprika, Orangen, etc.) verzehrt wird.
Vitamin B1 kommt in Getreideprodukten, Hülsenfrüchten und Kartoffeln vor,
Vitamin B2 in Grünkohl, Erbsen, Brokkoli, gelber Paprika, Getreideprodukten, Milch und Eiern und Vitamin B12 immerhin in Milch und Eiern, in geringen Mengen auch in Sauerkraut und Sanddorn.
Niacin findet sich neben fast allen Pflanzlichen Nahrungsmitteln besonders in Bier und in geröstetem Kaffee und Eiweiß findet sich, abgesehen von Fleisch und Fisch vor allem in Milch, Eiern, Hülsenfrüchten, Sojaprodukten, Nüssen und Getreide.


Folglich lässt sich jeder der Fleischnährstoffe durch Pflanzliche Nahrung lückenlos ersetzen, wodurch das Entwicklungs-Argument entkräftet ist.

Das Geschmacks-Argument
Nicht ausschließen lässt sich, dass beispielsweise eine Currywurst einen anderen und zumeist beliebteren Geschmack hat, als vergleichbare Soja- oder Tofuprodukte.

Eine Currywurst (oder auch ein Steak) hat zwei Eigenschaften. Zum Einen die, für die Dauer des Verzehrs „gut“ zu schmecken.
Die andere Eigenschaft ist die Sättigung, die man durch den Verzehr erfährt.
Letztere Eigenschaft hat jedes Pflanzliche Produkt oder auch ein Ei ebenso.
Es verbleibt also nur das Geschmacksargument.

Hier ist zu bedenken, dass für den Geschmack, der vielleicht 20 oder 30 Minuten genossen werden kann, ein Tier, also ein Lebewesen mit Eigenschaften, die die eines Fötus teilweise übersteigen, geschlachtet und schlichtweg genutzt wurde und somit ein Leben, das zumindest denselben moralischen Wert wie ein Fötus besitzt, ausgelöscht wurde.
Unter utilitaristischen Gesichtspunkten ist dies definitiv inakzeptabel, denn der Nutzen (in diesem Falle der Geschmack), der aus der Tötung eines solchen Wesens gezogen wird, steht in keiner Relation zu dem Schaden, der dem Lebewesen zugefügt wird.
Somit ist auch das Geschmacks-Argument außer Kraft gesetzt.

Das Vorzeit-Argument
Ein weiteres Argument, welches das Töten von Tieren als moralisch akzeptabel erscheinen lässt, ist, dass die Menschheit schon seit jeher Jagd auf Tiere macht und praktisch als „Fleischfresser“ die Welt eroberte. Es ist unbestritten, dass eine vegetarische Steinzeitmenschheit ausgestorben wäre.

Hier jedoch wiederspricht die Evolution. In den letzten Jahrtausenden hat sich die Menschheit gravierend weiterentwickelt. Sichtbar wird dies beispielsweise an körperlich beeinträchtigten Menschen, die in der Vorzeit keinerlei Überlebenschance gehabt hätten. Heute ist es selbstverständlich, diesen Menschen das Leben zu ermöglich.
Und ebenso ist es heute möglich, auf den Fleischverzehr zu verzichten.

Die Evolution setzt das Vorzeit-Argument außer Kraft.

Das Wirtschafts-Argument

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Tatsache, dass die weltweite Versorgung mit Fleisch eine eigene Industrie ist, die Landwirten, Züchtern, Schlachtern, Metzgern, Tierärzten, Lastkraftfahrern und Fischern, sowie Angestellten der Tierfuttermittelindustrie und weiteren an der Verarbeitung von Fleisch beteiligten Menschen Arbeit gibt. Bei einem kompletten Verzicht auf den Verzehr von Fisch- und Fleischprodukten würden einige dieser Berufe teilweise bis komplett verschwinden, was die ohnehin hohe Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Armut sowie die Anzahl jener Menschen, die Ihr Leben mit Staatlicher Hilfe bestreiten, erheblich steigern würde. Das entstehende Leid ist unter utilitaristischen Gesichtspunkten vermutlich schwerwiegender oder zumindest ebenso schwer, wie das Leid, das man einem animalischen Lebewesen durch das Beenden seines Lebens zufügt.

Wenn die Fleischindustrie jedoch wegfällt, so steigt automatisch der Bedarf an Angestellten in der verbleibenden Nahrungsmittelindustrie. Um den Ausfall der Fleischnahrung zu kompensieren würde es beispielsweise mehr Bäcker und Konditoren, Landwirte und landwirtschaftliche Lohnarbeiter, Gärtnereiangestellte, Erntehelfer, Konstrukteure für Gewächshäuser, Logistiker für das Ex- und Importieren von pflanzlichen Produkten in und aus anderen Klimazonen und viele weitere Angestellte geben müssen.
Die aufkommende Armut und die steigende Arbeitslosigkeit sind damit abgefangen, das Wirtschafts-Argument ist entkräftet.

Es gibt also keinen moralisch gewichtigen Grund, nicht vegetarisch zu leben, wohingegen es mit der Verschonung des animalischen Lebens einen schwerwiegenden Grund gibt, der dafür spricht.
Schließlich ist das Töten von Tieren und das damit verbundene Auslöschen von Leben mit fötusgleichem moralischen Wert ohne zwingenden Grund moralisch in keinerlei Hinsicht vertretbar.
Der Verzehr von Fisch- und Fleischprodukten ist somit moralisch Verwerflich.
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