Arndt-Philipp Ohms 02.02.2009
Peter Singers Gedankengang des fötalen Lebens
basierend auf
„Der Wert des fötalen Lebens“
ein Ausschnitt aus
„Peter Singer: Schwangerschaftsabbruch und ethische Güterabwägung“

In seinem Werk „Schwangerschaftsabbruch und ethische Güterabwägung“ geht Peter Singer in einem Abschnitt auf den Wert des fötalen Lebens ein.
Zunächst führt er dazu das Hauptargument, einen Satz, welchen er in seinem Werk zu wiederlegen anstrebt und welchen er im Rahmen des „Konservativen Arguments“ bereits erwähnt hat, erneut an:

„Erste Prämisse: Es ist falsch, ein unschuldiges menschliches Wesen zu töten.
Zweite Prämisse: Ein menschlicher Fötus ist ein unschuldiges menschliches Wesen.
Schlussfolgerung: Daher ist es falsch, einen menschlichen Fötus zu töten.“


Nun geht Singer näher auf die erste Prämisse ein. Darin heißt es, dass es falsch sei, ein menschliches Wesen zu töten. Der Begriff der Menschlichkeit unterteilt sich jedoch nach Singer in zwei Kategorien: Die erste besagt, dass sich die Menschlichkeit über das Zutreffen des Satzes „Mitglied der Gattung Homo Sapiens“ definiert. Sie ist für einen Fötus also durchaus zutreffend.
Die andere Kategorie besagt, dass sich die Menschlichkeit über den Begriff „Person“ definiert.
An dieser Stelle wird der Schwachpunkt des gesamten Grundsatzes deutlich: Wenn mit „Menschlich“ eine Person gemeint ist, dann ist die zweite Prämisse nicht gegeben und die Schlussfolgerung somit wertlos.
Folglich müsste „Menschlichkeit“ über „Mitglied der Gattung Homo Sapiens“ definiert sein.
Wenn dem jedoch so ist, hat die Eigenschaft der Menschlichkeit nicht die Moralische Bedeutung, die grundlegend für das (bereits bekannte) konservative Argument in Singers Aufführungen ist, denn dort wird die Entwicklung einer Zygote zum Kind als Moralisch einheitlich bezeichnet und der Wert einer Zygote mit dem eines „fertigen“ Menschen gleichgesetzt.
Wenn die Moralische Bedeutung aber nicht gegeben ist, wäre die erste Prämisse haltlos und der Satz ungültig.
Singer entkräftet dies aber im Verlauf seiner Ausführungen. Er sagt, dass es für die Verwerflichkeit des Tötens eines Wesens ebenso wenig von Bedeutung ist, ob dieses Wesen zu unserer Spezies gehört, wie es bedeutungslos ist, ob es zu unserer Rasse gehört.
Diese Feststellung ist für den weiteren Verlauf von Singers Argumentation von fundamentaler Bedeutung:
Wenn die Zugehörigkeit der Spezies unwichtig ist, dann können wir den menschlichen Fötus nun nach seinen Eigenschaften bewerten und direkt mit Wesen vergleichen, die dieselben Eigenschaften haben, wie er, auch wenn sie nicht unserer Spezies angehören.
Und genau das tut Singer nun:
Er behauptet, dass ein Kalb, ein Schwein oder auch ein Huhn mehr Empfindungen haben als ein menschlicher Fötus in jeder Schwangerschaftsphase.
Folgerichtig ist es inkonsequent und logisch nicht nachvollziehbar, diese Tiere zu töten (aus welchen Gründen auch immer) und gleichzeitig zu behaupten, dass das Töten menschlicher Föten, die weniger Schmerzempfinden, weniger Lustempfinden und weniger Bewusstsein aufweisen als die oben angeführten Tiere, moralisch verwerflich ist.
Man sollte also das Töten von Tieren und das von menschlichen Föten auf denselben Moralischen Level setzen, denn kein Fötus hat die Eigenschaften einer Person und damit das Recht, wie eine behandelt zu werden, sonder nur Bewusstseinseigenschaften und Empfindungseigenschaften, die denen von manchen Tieren sogar noch um vieles nachstehen.

Ferner führt Singer auf, dass ein Fötus bist zu seiner 18. Entwicklungswoche über ein nicht ausreichend ausgeprägtes Nervensystem verfügt, um überhaupt etwas zu empfinden.
Leben auf diesem Level ist wertlos, die Abtreibung bis hierhin also moralisch in keinerlei Hinsicht verwerflich.
Etwas anders steht es bei Föten, die sich in einem Stadium zwischen der 18. Woche und der Geburt befinden. Ein Fötus in dieser Phase verfügt, wenn auch über kein Selbstbewusstsein, immerhin über ein grundsätzliches Bewusstsein.
Singer stellt jedoch klar, dass die rudimentären Interessen eines Fötus hinter den Interessen einer Frau, die sich für die Abtreibung des Fötus entschieden hat, zurückstehen. Anhand der Empfindungen und des Bewusstseins sowie der oben genannten moralischen Werte, die sich über eben diese Eigenschaften definieren, kann man leicht nachvollziehen, dass die Interessen einer Frau vorrangig sind.
Die logische Folge ist, dass Abtreibungen, ganz gleich in welchem Stadium der Fötalen Entwicklung, nicht moralisch falsch sind.
Schlussendlich führt Singer aber auf, dass Abtreibungen, die an Föten zwischen der 18. Entwicklungswoche und der Geburt vorgenommen werden, dringend mit einer raschen schmerzfreien Methode durchgeführt werden sollten, damit der Fötus, der evtl. zur Wahrnehmung von Schmerz fähig ist, nicht sinnlos leidet.
Der entsprechende Gedanke ist alt, denn schon in der französischen Revolution, also gegen Ende des 18. Jahrhunderts, war man darauf bedacht, Tötungen (an empfindungsfähigen menschlichen Wesen) „Rasch, Sauber und Menschlich“ durchzuführen, um einen Qualvollen Tod auszuschließen.
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